Saubere Suchmaschinenoptimierung und “Content is king”?

Im Nachgang der SES und insbesondere des Panels ”
Optimale Verlinkungsstrategien 2008″ mit Thomas Promny, Marcus Tandler, Ralph Tegtmeier und Nina Baumann , stellte ich mir auf dem Weg von Hamburg nach München die Frage was die Konsequenz aus dieser Session und einigen anderen Sessions war?

  • Wie wird sich der Kampf um die ersten Positionen in den Ergebnislisten der Suchmaschinen entwickeln?
  • Machen alle nur noch saubere Suchmaschinenoptimierung bzw. User centered content?
  • Was ist eigentlich die Konsequenz, wenn die Aufdeckung von Spam, durch die Suchmaschinen immer besser wird?
  • Was passiert wenn Google und Yahoo einzelne Seiten oder ganze Domains aus dem Index entfernen oder zumindest durch eine Rückstufung bestrafen?

Wahrscheinlichkeit und Risiko

Grundsätzlich gilt -Wenn Google & CO. besser werden, werden auch die Methoden der SEOs besser. Wie in vielen anderen Bereichen( z.B. Computersicherheit), gilt es deswegen auch bei der Auswahl der SEO Methoden zu beurteilen, wie hoch die Eintrittswahrscheinlichkeit (Entdeckung durch Google) und wie hoch die Schadenshöhe ist (Exklsuion aus dem Index oder Abstrafung und Rankingverlust)?

Erst aus der Beurteilung beider Kriterien ergibt sich eine Risikobewertung und das entsprechende Risikomanagement.

Für Black Hat SEOs und Ihren Methoden, die nicht den von Suchmaschinen gesetzten Richtlinien entsprechen, mag zwar die Wahrscheinlichkeit durch Google entdeckt zu werden inzwischen höher liegen. Das Risiko eines erheblichen wirtschaftlichen Schadens, ganz im Gegensatz zu “echten” Unternehmen, die nur “eine” Domain haben, ist nachwievor deutlich geringer.

Bewertung anhand eines virtuellen Beispiels

Die Beispiele sind bewusst simplifiziert, sollen aber genau den entscheidenden Punkt treffen.

Ausgangssituation: Ein Unternehmen A (www.ichverkaufeonlinemitmeinermarkemeineprodukte.de) mit einem Online Umsatz Anteil von 3 Millionen ( davon 50% über Suchmaschinenoptimierung) optimiert seine Seiten genauso wie unser zweites Unternehmen B. Unternehmen B (ein unabhängiger Experte für Suchmaschinenoptimierung) besitzt 1.000 Domains. Die Domains werden über Affiliatemarketingnetzwerke vermarktet. Die Kosten pro Domain belaufen sich 12€x1000 = 12.000€

Beurteilung Eintrittswahrscheinlichkeit

Da beide mit den gleichen Methoden arbeiten, besteht bei beiden die gleiche Wahrscheinlichkeit von Google & Co entdeckt zu werden.

Konsequenzen durch Google & Co

Die Domains von A und B werden aus aus dem Index genommen

Beurteilung Schadenshöhe

Der Schaden für Unternehmen beträgt auf Jahresbasis 50% * 3Mio.€ = 1,5 Mio.€. Das zusätzliche Problem liegt weiterhin in der Wiederaufnahme in den Suchmaschinenindex.

Alle 1.000 Domains des Unternehmen B werden aus dem Index gelöscht. Kosten 12.000€. Die entgangenen Gewinne werden über die Optimierung neuer Domains kompensiert.


Fazit

  • Unternehmen aus der Gruppe A müssen vorsichtiger werden da Google besser wird.
  • die Rankings müssen von Unternehmen (A), die eine Abstrafung oder Exklusion fürchten , ehrlich mit guten Content und einer sinnvollen Verlinkung dauerhaft erkämpft und verteidigt werden.
  • Unternehmen müssen sauberere Suchmaschinenoptimierung betreiben. Dadurch wird es für die Black Hat SEOs leichter-weil weniger Konkurrenz- mit Ihren Methoden in die Toppositionen zu kommen.
  • Der Konkurrenzkampf in den Toprankings der Suchmaschinen wird letztlich von Unternehmen (A), über den Umweg Affiliatemarketing oder vergleichbaren Vermarktungsmodellen, an die Black Hat SEOS “outgesourced”

Black Hat hat nicht an Reiz verloren , sondern ganz im Gegenteil an Reiz gewonnen.

Wer nichts zu verlieren hat kann hier nur gewinnen.
Alexander Holl

Dazu ist auch noch ganz interessant der Artikel von Uwe Tippmann – Google sucht SEOs

13 Kommentare zu “Saubere Suchmaschinenoptimierung und “Content is king”?”

  1. Stefanam 26. Juni 2008 um 15:09 Link zum Kommentar

    Hallo Alexander,
    diese beiden Beispiele beschreiben die Situation sehr gut, die ich häufig bei Kunden antreffe: Ich berate einen A-Unternehmer. Im Vorgespräch wird mir dann die Website X, die stets vor den Seiten von A steht, genannt. Diese Seite X gehört einem B-Optimierer. Der A-Unternehmer fragt dann unausweichlich: Warum können wir nicht das gleiche machen, was B macht? Die Antwort ergibt sich aus deiner Rechnung.

    Wobei sich langsam die Sache etwas entspannt: Um die 1.000 Domains halbwegs mit Inhalten in die Suchmaschinen zu bekommen, sind viele Links nötig. Je nachdem wie B arbeitet, könnten auch die Links verloren gehen; damit würde B ein Vielfaches an Wert verlieren wie nur seine Domainkosten. Darüber hinaus reagiert Google auf diese Thematik mit Rankingfaktoren wie Domainalter oder Trust. Aber grundsätzlich ist das Problem genau so, wie du es beschreibst.

  2. Martinam 27. Juni 2008 um 22:33 Link zum Kommentar

    Ich bin, wie Stefan, ebenfalls der Meinung, dass der Schaden für B deutlich über 12.000 € liegt. Denn auch ein “Black Hat” muss jede menge Zeit reinstecken um das Ganze aufzubauen. Aber im Gegensatz zu A zieht er im schlimmsten Fall einfach weiter zum nächsten “Projekt”. Für eine Firma die dadurch 50 % Umsatz verliert – je nach Firma könnte dieser Prozentsatz aber auch deutlich höher liegen – ist das natürlich tödlich. Die kann nicht einfach weiterziehen bzw. warten bis die Website wieder aufgenommen wurde oder eine neue Aufgebaut ist. Im schlimmsten Fall ist es das Aus für diese Firma und ihre Mitarbeiter. Eine Firma kann es sich meiner Meinung nach nicht leisten das Risiko einzugehen. Ein Platz in den Top 10 – und das ist mit “White Hat” durchaus auch möglich – ist immer hin besser als keiner…
    Das sollte sich mal manch Firma durchlesen ;) ! Klasse Beitrag!

  3. Joachim Grafam 28. Juni 2008 um 12:34 Link zum Kommentar

    Diese Diskussion zeigt einmal mehr, dass SEO eben nur *ein* Werkzeug ist beim Onlinemarketing. Und sicher nicht das, was ganz oben (oder schlimmer: ganz alleine) auf der Agenda zu stehen hat. Nur im Mix ist es erfolgreich – und da loosen die Bs und Black Hats ab – weil Sie Geschäft eben ausschließlich maschinell entstehen lassen wollen. Wie sie schon sagten: Das funktioniert immer weniger.

  4. Peteram 29. Juni 2008 um 18:29 Link zum Kommentar

    Nach meinen Erfahrungen müssen wir hier, bevor wir über die Entwicklung der Suchmaschinenoptimierung in den nächsten Jahren diskutieren, das Thema weiter differenzieren.

    Ans.1 – Short Head
    Ziel ist hier ganz klar die Platzierung einer Hand voll Top-Keywords auf Top Positionen. Hier wird es auf lange Sicht immer die schwarzen Schafe und Methoden geben. Und hier sind und werden die kurzfristigen Erfolgsaussichten groß sein. Ein Absturz muss hier einkalkuliert werden.

    Ans. 2 – Long Tail & News
    Die Optimierung von inhaltsgetriebenen und großen Websites (~ > 3 Mio. Pi/Mo) wird jedoch langfristig ein sauberes Geschäft werden. Hier werden Onsite-Faktoren (technische und inhaltliche) und insbesondere der Kontakt zu Google die wichtigsten Faktoren für einen langfristen Erfolg darstellen. Hiervon sind natürlich insbesondere Verlagshäuser betroffen, da diese den Markt in Deutschland bislang dominieren. Die Top-Keywords der großen (Stellenanzeigen, Nachrichten, IT News, Reise Mallorca usw.) werden sich irgendwann einpendeln. Hier heißt es dann fleißig AdWords kaufen.

    p.s. Trotzdem wird (dass darf man auch nicht vorenthalten) auch bei den Verlagshäusern die Verlockung auch immer mal wieder aufkommen über “schwarze” Methoden und Top-Keyword-Building (vgl. s.o.) einen kurzfristen Schub zu kaufen.

    Letztendlich ist dies dann tatsächlich eine ganz simpele Rechenaufgabe, wie von Kollegen Holl hier schön veranschaulicht.

  5. Mario Fischeram 3. Juli 2008 um 16:04 Link zum Kommentar

    Klasse Beitrag! Vor allem die Analyse, warum mehr weiße Hüte es den schwarzen leichter machen.
    Tragedy of the commons – also auch hier… ;-)

    Ich denke auch, dass der Fall B trotzdem etwas differenzierter zu betrachten ist. Man die SEO Methoden zum Pushen einer Site oder eben 1.000 Sites nicht vergleichen. Fall B ist deutlich aufwendiger. Deutlich.

    Der Vortrag von Markus Tandler hat sicher viele zum Nachdenken gebracht. Lohnt sich “ehrliche” SEO Arbeit noch? Ziehen die “Betrüger” nicht locker lächelnd vorbei? Hmmm.. ist im realen Leben nicht auch so? Die einen schuften, die anderen hauen andere übers Ohr. In ein geklautes Auto kann man sich schneller und ohne (allzu-)großen Aufwand setzen – das eigene muss man hart erarbeiten.

    Wo liegen die Unterschiede? Klar. Aus dem eigenen Auto zieht mich die Polizei nicht irgendwann raus und auch harte Strafen hab ich nicht zu befürchten, solange ich ehrlich bleibe. Somit kalkulierbar.
    Die Parallelen zu B-/W-Hat-Optimierung sind sicher überdeutlich.

    Mein Eindruck ist, dass Google in dieser Hinsicht noch immer sehr “gutmütig” reagiert. Für Stefanie D. von G. und ihre Mitarbeiter wäre es ein leichtes, den Aktivitäten von Herrn T. nach zu recherchieren. Uns ist das auch recht leicht gelungen ;-)
    Trotzdem lässt Google solche Dinge sehenden Auges geschehen und reagiert auch auf entsprechende Hinweise eher träge. Man versucht das Problem in der Regel mit der Entwicklung eines Filters in den Griff zu bekommen. Das dauert aber… Bis dahin haben die Blackies dieser Welt Ihr Geld schon verdient. Und natürlich auch die Auftraggeber…

    Das ist aber kein Garant, dass das für immer so bleibt. Sollte Google irgendwann mal schneller und massiver manuell (!) auf nennenswerte Black-Hat-Methoden reagieren, kann das Geschäftsmodell schnell unrentabel werden – für die Schnelloptimierer.

    Die Auftraggeber hinter den Black-SEOs zu bestrafen, ist gar nicht so einfach. Vor knapp zwei Jahren (wenn ich das richtig zuordne) hat Google auch mal Seiten gedowned, die von zweifelhaften Sites angelinkt wurde. Klingt logisch. Was war die Folge? Innerhalb kürzester Zeit entstand das sog. Google-Bowling. Man konnte auf einigen Sites in den USA und in östlichen Staaten ;-) für 100 US $ per Kreditkarte die Mitbewerber-Domains aus dem Index kegeln lassen. Die haben einfach Sites absichtlich bei Google mies gemacht und von denen aus auf die seriösen Mitbewerber-Sites verlinkt. Schwupps, raus aus dem Index. Bad Neighborhood. Aus die Maus.
    Die “Linknehmer” zweifelhafter Aktionen kann man also nicht so einfach für eingehende Links bestrafen. Das hat Google aus der Lektion gelernt.

    Aber: So lange man den Auftraggebern hinter den Black-Hats nicht bekommen kann… Wird es auch immer Unternehmen geben, die mit dem Gedanken einer Beauftragung spielen…

    Was für eine Spielwiese!

  6. [...] Ihn hier offiziell als Surftipp empfehlen und nehme ihn in die Blogroll auf. Wer nicht weiss was Black Hat SEO ist, kann ja mal einen kurzeb Blick in dies Abgründe werfen. Hoffentlich lesen wir bei [...]

  7. [...] nicht genannten Vorteil hat diese Art von PR-SEO noch: Die Gefahr eines Totaverlustes der Website (wie in Alexander Holl beschreibt), selbst bei grauen [...]

  8. [...] kein “Black Hat SEO” betreibt habe ichi n einem grundsätzlichen Artikel auf meinem Performance Marketing Blog [...]

  9. [...] sueddeutsche.de mit einem leitenden Angestellten von Google geknutscht hat, um ein paar Tricks zur Suchmaschinenoptimierung zu [...]

  10. [...] Saubere Suchmaschinenoptimierung [...]

  11. [...] Saubere Suchmaschinenoptimierung – SES Hamburg Recap April 2008 [...]

  12. [...] Saubere Suchmaschinenoptimierung [...]

  13. [...] Alexander Holl hat mich heute zu seinem neuen Blog eingeladen – und stellt darauf diese zur Diskussion anregende Aussage auf: “Black Hat hat nicht an Reiz verloren , sondern ganz im Gegenteil an Reiz gewonnen.” [...]

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